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Woche 6

Aus aktuellem Anlass heißt es diese Woche bei den Ankommern: Hauptsache, wir kommen durch. Wieso, weshalb, warum? Lesen Sie einfach selbst.

Andreas sechste Trainingswoche: Ich! Dreh! Am! Rad!

Leider nicht am Rennrad. Immer noch nicht. Nachdem ich bis Dienstag Fieber hatte, sieht es mit meinen Vorbereitungen für den Triathlon eher mau aus. Leider wird das die nächsten zwei Wochen auch noch so bleiben. So lange muss meine ramponierte Lunge nämlich noch in Kortison gebadet werden. Wobei ich persönlich ja eher ein Fan von alternativen Heilmethoden bin. Doch egal wie oft ich nachgefragt habe, meine Hausärztin ist und bleibt auf ihrem Ich-wäre-jetzt-bereit-für-medizinisches-Marihuana-Ohr leider taub.

Also habe ich diese Woche wenigstens meine Ernährung auf Homöopathie umgestellt. Sie wissen schon, diese magischen Zuckerkugeln. Die habe ich mir in rauen 10er Packmengen ans Krankenbett liefern lassen. Leider waren die Kugeln alle einzeln verpackt, weshalb ich meine gesamte Energie diese Woche darauf verwendet habe, das überall in und rund um mein Bett herumfliegende goldene Einwickelpapier vor den Kindern zu verstecken.

So, das war es auch schon wieder von mir. Was soll ich sagen? Hier passiert einfach nichts. Die ganze Woche im Bett liegen und bei jedem Nieser bereuen, dass man damals die Rückbildung geschwänzt hat, bietet einfach nicht genug Stoff für einen Beitrag.

Mal schauen, wie die kommende Woche wird…

Andreas Wochenbilanz:

  • Gehustet: 168 Stunden (wenn das kein Sixpack unter meine Ferrero-Rocher-Rollen gezaubert hat, dann weiß ich auch nicht)
  • Gelesen: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen (Ja, darüber kann man ein ganzes Buch schreiben. Und zwar ein sehr schönes, wie sich herausgestellt hat.)
  • Gegoogelt: Mutter von Gregs Tagebuch 4 (Spoiler: es war tatsächlich Alicia Silverstone. Sie wissen schon, die aus Clueless und dem Aerosmith-Video)
  • Spotify-Neuzugang: Smooth Criminal von Alien Ant Farm (weil meine Mudda mich täglich anruft und fragt: „Annie, are you okay? Are you okay? Are you okay, Annie?“ <3

Christians sechste Woche: Von Säften, Säften und Säften. Und Säften.

Nach der körperlich herausfordernden, aber nur mäßig trainingsförderlichen Karnevalsfeierei der letzten Woche, ist es wichtig, sich wieder auf die Triathlonvorbereitung zu konzentrieren. Und was könnte besser geeignet sein, um Körper und Geist zu entgiften, als eine Woche Saft-Fasten? Eine rhetorische Frage, die ich dennoch beantworten möchte: Alles. Alles könnte besser geeignet sein.

Aber Andrea und ich hatten uns schon bei der Triathlonanmeldung eine Fastenwache nach Karneval vorgenommen, also müssen wir das jetzt durchziehen. Andrea hat nach ihrem Carneval bereits eine Influenza-Woche eingelegt, nun ist es an mir, nachzuziehen. Also, nicht mit Influenza, sondern mit einer Woche Säfte.

Allerdings werde ich kein klassisches Saft-Fasten machen, wo du nur Säfte auf Gemüsebasis trinken darfst. Möhrenmost oder Rote-Bete-Most zum Beispiel. (Ja, das schmeckt so eklig, wie es klingt.) Dazu gibt es regelmäßig Sauerkraut-Saft für die darmreinigende Wirkung. (Das schmeckt noch viel ekliger, als es klingt.) So ein Gemüsesaft-Fasten habe ich mal vor ein paar Jahren ausprobiert und ich verspüre nicht genügend Selbsthass, um mir das noch einmal anzutun.

Stattdessen werde ich milde Obstsäfte trinken. Dogmatische Fasten-Apostel schlagen bei diesem Gedanken wahrscheinlich die dürren Finger vor ihre hageren Gesichter, aber für mich gilt beim Saft-Fasten das Motto: „Hauptsache, ich kommen durch!“

1. Tag

Den Vormittag bringe ich recht locker hinter mich. Ich intervall-faste gelegentlich und esse dann bis 13 Uhr auch nichts. Heute darf ich sogar zwei Gläser milden Orangensaft trinken. Saft-Fasten ist großartig!

Der Nachmittag ist schon etwas anstrengender. Allmählich setzen die Kopfschmerzen ein. Koffeinentzug! Ich trinke nämlich sehr gerne Kaffee. Und viel Kaffee. Sehr viel Kaffee. Es soll Kaffeeplantagen in Kenia geben, die nach mir benannt sind. Jetzt rebelliert mein Körper gegen die ausbleibende Kaffeezufuhr. Ob eine Kopfschmerztablette wohl gegen den Geist des Saft-Fastens verstößt? Wahrscheinlich schon. Das Saft-Fasten hat doch seine Schwächen.

Stulle? Verboten!

2. Tag

Heute gönne ich mir Multi-Vitaminsaft. Das erinnert mich an früher. Da gab es zum Frühstück immer ein Glas Multi-Saft. Und Kellog’s Frosties und Zitronentee. (Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der beim Essen mehr Wert auf lecker als auf gesund gelegt wurde.) Auf derlei irdische Genüsse muss ich diese Woche allerdings verzichten.

Bin nun seit circa 40 Stunden ohne feste Nahrung. Ich schaue mir Essensbilder auf Instagram an. Indem ich mir vorstelle, wie ich all die leckeren Sachen verspeise, will ich mein Hungergefühl vertreiben. (Eine Idee, die so bescheuert ist, wie sie klingt.)

Während der Rest der Familie zu Abend isst, setze ich mich aufs Sofa und nehme mein letztes Glas Saft für heute zu mir. Ich möchte niemanden durch mein Magenknurren beim Essen stören. Aus der Küche wabert der Duft von gebratenem Reis ins Wohnzimmer. Ich lutsche an meinem Arm.

Brötchen? Verboten!

3. Tag

57 Stunden ohne Essen. Schmiere die Schulbrote für die Kinder. Alles riecht köstlich. Das Brot, die Butter, der Käse, die Wurst! Ob es wohl gegen das Saft-Fasten verstößt, wenn ich mir eine Scheibe Schinken aufs Gesicht lege?

In Fasten-Berichten habe ich oft davon gelesen, dass am dritten Tag das Hunger-Gefühl allmählich nachlässt und die Saftenden einen geradezu euphorischen Zustand des Fasten-Highs erreichen. Ich habe kein Fasten-High. Meine Gedanken sind so trübe wie der Öko-Apfelsaft, der vor mir steht.

Ich habe wohl eher mein Fasten-Tief erreicht. Hoffe ich zumindest. Wenn es noch tiefer geht, lasse ich mich womöglich zu strafrechtlich relevanten Handlungen hinreißen. Beispielsweise den fröhlich pfeifenden Mann ohrfeigen, der gerade an unserem Haus vorbeigeht.

Abends trinke ich ein Glas Tomatensaft und schaue Star Trek. Eine Serie, in der erfreulicherweise wenig gegessen wird und wenn, nur eklige Sachen. Mein knurrender Magen fragt trotzdem: „Könnte ich das Klingonische Gagh noch einmal sehen?“

Waffel? Verboten!

4. Tag

Keine feste Nahrung seit 85 Stunden. Männern wird nachgesagt, alle 30 Minuten an Sex zu denken. Ich denke alle 12 Minuten an Käsekuchen, Lasagne, Schokoriegel, Sushi, Pancakes oder Pizza. Der Sex hat sich dagegen in meine hintersten Hirnregionen verzogen. Dafür würde mir sowieso die Energie fehlen.

Um mich auf andere Gedanken zu bringen, mache ich mir eine Tasse Tee. Während ich den Wasserkocher anschalte, schaue ich versonnen auf die Kaffeemaschine. Nur noch ein paar Tage, meine Liebe, dann sind wir wieder vereint!

Eigentlich bin ich kein großer Tee-Fan, aber in den letzten Tagen habe ich so viel Tee getrunken, dass mir Engländer anerkennend auf die Schulter klopfen. Obwohl ich gar keinen Earl Grey mit Milch trinken darf, sondern nur Kräutertees. (Alles was Spaß macht, ist im Saft-Fasten nämlich verboten.)

Aufgrund der literweise Teezufuhr verbringe ich mehr Zeit auf Toilette als am Schreibtisch. Macht aber nichts, weil ich auf dem Klo wenigstens produktiv bin. Das kann ich von meiner Arbeit nicht gerade sagen. Mein Energiehaushalt ist inzwischen so weit runtergefahren, dass ich vollkommen antriebslos bin. Zu kreativen Gedanken bin ich nicht mehr fähig, lediglich zu stumpfen Tätigkeiten wie Ablage oder Buchhaltung. Dabei kann ich wenigstens am Kopierpapier knabbern.

Stullen-Turm? Verboten!

5. Tag

Ich habe seit über 100 Stunden nichts gegessen. Aber der letzte Fastentag ist angebrochen. Halleluja! Darauf einen Multi-Saft! Meine Freude wird allerdings getrübt, als ich in der Küche auf meine Frau treffe, die sich gerade ein Brot daumendick mit Schoko-Creme beschmiert. Vielleicht hätte ich doch auf einen Ehevertrag drängen sollen, in dem so etwas verboten wird.

Um möglichst viel Distanz zwischen mich und irgendwelche Lebensmittel zu bringen, gehe ich spazieren. Ich bin in den letzten Tagen sehr viel spazieren gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass du beim Saft-Fasten deine Umwelt ganz anders erlebst. Durch das Nahrungsdefizit werden die Sinne geschärft und alles wird viel bewusster und intensiver wahrgenommen. Ich kann beispielsweise auf 30 Metern riechen, was irgendwo gekocht wird, ich höre die Kaffeemaschine der Nachbarn im fünften Stock und ich sehe Schokoladen-Papier im allerhintersten Winkel eines jeden Gebüschs.

Durch die vielen Fastenspaziergänge habe ich unser Viertel auch vollkommen neu kennengelernt. Nach den fünf Tagen kann ich mit verbundenen Augen in einen Stadtplan jede Döner-Bude, jeden Falafelladen, jedes Café, jeden Imbiss, jedes Burger-Restaurant, jede Pizzeria, jede Bäckerei eintragen. Eine Inselbegabung mit der ich mich bei der nächsten Staffel von „Das Supertalent“ bewerben werde.

Käsekuchen? Verboten!

Der Tag danach

134 Stunden habe ich nichts gegessen. Ich stehe im Bad und schaue mich im Spiegel an. Mein Bart scheint noch grauer geworden zu sein und mein Gesicht sieht eingefallen aus. Meine Nase wirkt unnatürlich groß. Wäre schön gewesen dort ein paar Pfund abzunehmen.

Insgesamt habe ich seit Montag fast viereinhalb Kilo verloren. Nun habe ich den Körper eines abgemagerten Greises, bei dem die letzten Speckröllchen, die er sich in den Wirtschaftswunderjahren durch Schweinebraten und Sahnetorte angefuttert hat, schlaff von den Hüften hängen.

Ich bin zwar nur noch zwei Kilo von meinem Zielgewicht für den Triathlon entfernt, verfüge aber nur noch über die Energiereserven eines altersschwachen Zweifinger-Faultiers. Vielleicht sollte ich als nächstes eine Anabolika- und Epo-Woche einlegen? Egal, Hauptsache, wir kommen an.

Christians Wochenbilanz:

  • Geschwommen: 0 km (In meinem geschwächten Zustand wäre ich garantiert ertrunken.)
  • Geradelt: 0 km (Ich wäre so langsam gewesen, dass ich vom Rad gefallen wäre.)
  • Gelaufen: 7,29 km (Das war noch am Vorbereitungstag. Dafür bin ich 62,15 Kilometer spazieren gegangen.)
  • Spotify-Neuzugang: Was wollen wir trinken sieben Tage lang? von Heart of Gold

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Veröffentlicht in Die Woche

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